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Reisemängel – was tun bei Urlaubsfrust?
von Michael Stegemann

 

Nach dem Urlaub ist nicht jeder glücklich über die verbrachten Tage. Aber wie, wo und wann macht man Mängel einer Urlaubsreise geltend und was wird eigentlich als Mangel anerkannt? Was bei Beschwerden zu beachten ist sollen die folgenden Ausführungen verdeutlichen.

Was ist ein Reisemangel
Das Reiserecht, als Spezialfall des Werkvertragsrechts, ist in den Paragraphen 651 a bis 651 m BGB geregelt. Diese Rechte stehen nicht zur Disposition und eine Abweichung zuungunsten des Reisenden ist untersagt und damit ungültig. Nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch liegt ein Mangel dann vor, wenn vom Veranstalter versprochene Leistungen nicht am Urlaubsort angeboten werden oder die Reise mit Fehlern behaftet ist, welche den Wert oder die Tauglichkeit der Erholung deutlich mindern. Der Reisende hat also ein gesetzliches Recht (nach § 651 c BGB), dass die Reise so erbracht wird, wie sie versprochen wurde. Insbesondere sind dabei die Prospektbeschreibung, die Reisebestätigung, verbindliche Zusatzvereinbarungen, Informationspflichten des Reiseveranstalters und der Reisecharakter zu berücksichtigen. Reine Unannehmlichkeiten, allgemeines Lebensrisiko und ortsübliche Gegebenheiten sind hingegen kein Reisemangel und müssen in der Regel hingenommen werden.

Wann und wo muss ich einen Mangel anzeigen?
Bei normalen Pauschalreisen steht meist ein Vertreter des Reiseveranstalters als Ansprechperson zur Verfügung. Daher müssen Reisemängel auch bei ihm vor Ort angezeigt werden, denn nur so kann sich der Reiseveranstalter bemühen die Reisemängel auch noch während der Reise abzustellen. Eine spätere Anzeige beim Reisebüro ist dann regelmäßig nicht mehr zulässig, wenn ein Vertreter vor Ort erreichbar war. Besteht der Reisemangel weiter fort, muss nach der Rückkehr und binnen eines Monats, am besten schriftlich beim Reiseveranstalter die Rüge eingehen. Schriftlich heißt nicht unbedingt per Post, eine E-Mail kann genügen, zu Beweissicherungszwecken ist jedoch ein eingeschriebener Brief mit Rückschein sicherer. Zur Beweissicherung eignen sich Fotos, Videoaufnahmen, Verspätungsbestätigungen von Fluggesellschaften, Zeugen und ähnliches. Bei Zeugen ist jedoch zu beachten, dass Familienangehörige und Mitreisende vor Gericht eine geringere Glaubwürdigkeit aufweisen, daher sind externe unbefangene Zeugen von deutlichem Vorteil. In dem Reklamationsschreiben sind die Mängel zu schildern und möglichst auch Beweise beizufügen. Es sollte deutlich aus dem Schreiben hervorgehen, dass eine Minderung des Reisepreises angestrebt wird. Verjährt ist der Anspruch allerdings nach zwei Jahren (§ 651 g Abs. 2 BGB). Jedoch hat der Gesetzgeber den Reiseveranstaltern gestattet diese Frist in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen auf ein Jahr zu verkürzen. Daher sollten die AGB gelesen werden um ein Fristversäumnis zu verhindern. Die Frist beginnt mit dem Tag, an dem die Reise ursprünglich enden sollte und ist unabhängig vom tatsächlichen Rückkehrtag. In erster Linie ist also die Reiseleitung vor Ort zuständig und nicht die Hotelangestellten. Wenn möglich sollte man sich von den Beschwerden ein Protokoll oder eine Bestätigung in schriftlicher Form aushändigen lassen, um später die Reklamation beweisen zu können. Bei gravierenden Mängeln kann die Reise auch abgebrochen werden, jedoch besteht hier immer die Gefahr, dass ein Gericht später die Mängel als nicht ausreichend qualifiziert. Gleiches gilt auch für den Umzug in ein Ausweichhotel auf eigene Faust. Eine Selbstvornahme und Abhilfe ist zwar gesetzlich statuiert (§ 651 c Abs. 3 BGB) aber regelmäßig sehr risikoreich und daher nur in Ausnahmefällen empfehlenswert.

Kann ich Geld als Entschädigung verlangen?
Viele Reiseveranstalter versuchen die enttäuschten Urlauber später mit Reisegutscheinen abzuspeisen. Wer aber berechtigterweise eine Kompensation beansprucht, muss sich nicht mit Gutscheinen begnügen, sondern es besteht ein Rechtsanspruch auf Auszahlung in Geld. Erhält man vom Reiseveranstalter eine Entschädigung und löst diese ein (z.B. einen Verrechnungsscheck) verliert er damit alle anderen Ansprüche, da er konkludent zu verstehen gibt sich einvernehmlich geeinigt zu haben. Vor der Einlösung sollte also unbedingt geprüft werden, ob die gebotene Entschädigung einem genügt oder nicht.

 

Wie viel Entschädigung kann ich verlangen?
Da jede Reise und jeder Reisende ein Unikat sind, ist es meist vom Einzelfall abhängig wie gravierend sich der Mangel darstellt und auswirkt. Gerichte entscheiden daher jeden Einzelfall für sich. Anhaltspunkte können sich aber aus der ADAC-Tabelle für Reisemängel, der Frankfurter Tabelle oder dem Mainzer Minderungsspiegel ergeben, in denen Urteile zum Reiserecht zusammengefasst sind. Jedoch ist jeder Richter in seiner Entscheidungsfreiheit ungebunden und die Tabellen sind für ihn nicht verbindlich. Sie geben daher nur eine Richtschnur an. Sind bestimmte Eigenschaften des Hotels oder des Urlaubs festgeschrieben oder zugesagt worden, müssen diese auch vor Ort tatsächlich vorhanden und nutzbar sein. Fehlen diese zugesicherten Eigenschaften ganz oder sind sie defekt besteht ein Anspruch auf Reisepreisminderung, wenn der Mangel nicht unverzüglich behoben werden kann. Im Einzelfall wurde für folgende Mängel eine Entschädigung anerkannt:

  • Doppelzimmer statt Einzelzimmer 20 %
  • Fehlender Balkon 5 bis 10 %
  • Fehlender Meerblick 5 bis 10 %
  • Fehlendes eigenes Bad/WC 15 bis 25 %
  • Fehlende Klimaanlage 10 bis 20 %
  • Fehlendes Radio/TV 5 %
  • Schäden durch Risse und Feuchtigkeit 10 bis 50 %
  • Ungeziefer im Zimmer 10 bis 50 %
  • Stromausfall 10 bis 20 %
  • Schlechte Reinigung der Zimmer 10 bis 20 %
  • Ungenügender Wäschewechsel 5 bis 10 %
  • Lärm am Tage 5 bis 25 %
  • Lärm in der Nacht 10 bis 40 %
  • Verdorbene Speisen 20 bis 30 %
  • Verschmutztes Geschirr und Besteck 10 bis 15 %
  • Fehlender Swimmingpool 20 %
  • Fehlender Tennisplatz 5 bis 10 %
  • Verschmutzter hoteleigener Strand 10 bis 20 %
  • Geänderter Ankunftsflughafen 5 %
  • Wechsel der Fluggesellschaft 5 bis 15 %
  • Gepäckverlust über mehrere Tage 25 bis 50 %
  • Hotelanlage befindet sich noch im Bau 75 bis 100 %
  • Normales Hotel statt Clubanlage 40%
  • Unterbringung in Ersatzhotel 5 bis 35 %
  • Kaltes Essen 5 %
  • Sport- und Freizeitanlagen nicht nutzbar 5 %
  • Fehlende oder unzureichende Kinderbetreuung 5 bis 25 %
  • Flughafen in unmittelbarer Nähe der Hotelanlage 10 bis 20%
  • Diskolärm bei ruhiger Lage 20 %
  • Reise kann aufgrund fehlenden Visums nicht angetreten werden 100 %
  • Vergewaltigung durch Mitarbeiter des Hotels 100 %
  • Freilaufende Wachhunde 50 %

 

 

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