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Produkte die nicht halten, was der Name verspricht
von Tabea Franz

 

Die Verbraucherzentrale hat sich vor einiger Zeit mit der Frage befasst, ob in den als so schmackhaft und natürlich angepriesenen Lebensmitteln auch tatsächlich drin ist, was der Name verspricht. Nach sorgfältiger Überprüfung der Produkte stellte sich heraus, dass der Verbraucher bei seinen alltäglichen Einkäufen oftmals nicht das mitnimmt, was er ursprünglich wollte, denn all zu oft sind in den Produkten Zutaten zu finden, die dort nicht hinein gehören um die Ingredienzien zu ersetzen die dem Namen nach eigentlich enthalten sein sollten.

Welche Produkte sind betroffen?
Besonders bei Meerestieren wird gemogelt was das Zeug hält. Billiges Fischeiweiß statt leckerer Garnelen in Meeresfrüchtecocktails wurde gleich bei mehreren Produkten festgestellt. Teilweise befindet sich sogar Hühnereiweiß darin, was durch Geschmacksverstärker und Aromen freilich nicht auffällt.

Doch auch bei Milchprodukten ist Vorsicht geboten. Wer glaubt, der Käse käme nur von Kuh und Schaf, der irrt, denn Pflanzenfette und diverse Zusatzstoffe ersetzen die tierische Milch entweder ganz oder teilweise. Auch die Schokocremefüllung in einigen Keksen ist nicht aus erlesenen Kakaobohnen und der Milch von glücklichen Kühen gefertigt, wie es uns die Werbung suggeriert. Aber wer braucht das auch, wenn er stattdessen ein Gemisch aus fettarmem Kakaopulver, Zucker und Pflanzenfetten haben kann? Im Vanilleeis befindet sich dann auch keine feine Vanille mehr, sondern Vanillin, den Unterschied bemerkt ja hoffentlich niemand.

Legitime Werbung oder Betrug am Kunden?
Diese Vorgehensweise sei allerdings vollkommen legitim, in der Zutatenliste würde der Verbraucher ja darüber aufgeklärt, was tatsächlich in den Produkten enthalten ist, der Kunde dürfe sich eben nicht nur auf den Namen verlassen. Dass diese Zutatenliste meist sehr klein irgendwo auf der Rückseite abgedruckt wird, während der Name des Produkts in großen Lettern auf der Vorderseite prangt ist dabei unerheblich. Man kann schließlich vom Kunden verlangen, dass er etwa die dreifache Einkaufszeit in Anspruch nimmt um sich über jedes Produkt eingehend zu informieren. Wer glaubt wo Käse draufsteht, ist auch wirklich Käse drin, der ist selbst schuld. Die Frage die sich in diesem Zusammenhang stellt ist jedoch, nachdem dies nun mal gängige Praxis ist, wie weit das Produkt vom Namen abweichen darf. Darf ich demnächst ein Auto Audi nennen, solange ich in der Broschüre unter dem Fahrersitz darüber aufkläre, dass es in Wirklichkeit doch ein Ford ist? Da klingt es absurd und das würde kein Kunde mit sich machen lassen. Wieso darf einem Kunden dann aber suggeriert werden, er kaufe Garnelen wenn es in Wirklichkeit ansonsten nicht mehr verwertbare Bestandteile von Fisch und Huhn sind?

Der erste Eindruck ist der nachhaltigste, das wissen auch die Hersteller. Es ist also kein Versehen, sondern bewusste Verkaufspsychologie, dem Kunden Pflanzenfette und Aromen als Kuhmilchkäse und Schokolade vorzugaukeln. Bei allen Ausflüchten, Erklärungsversuchen und Verweisen auf die Gesetzmäßigkeit ist doch eins klar: Die Hersteller wollen den Verbraucher bewusst täuschen, die fehlerhafte Benennung der Produkte ist also kein Zufall.

Preise halten- Gewinne steigern
Doch der Verbraucher ist selbst schuld, da er zu möglichst günstigen Preisen einkaufen will, sind die Hersteller gezwungen günstigere Ersatzstoffe zu verwenden. Merkwürdig ist, dass sich ausgerechnet die Hersteller teurer Produkte und Marken billiger Zutaten bedienen und diese dann zu einem hohen Preis verkaufen. Da die Kunden gerade bei Markenprodukten oder für gewisse Lebensmittel jedoch bereit sind für vermeintlich gute Qualität auch einen höheren Preis zu zahlen, läuft dieses Argument schlichtweg ins Leere.

Was für A gut ist kann für B nicht verkehrt sein
Teilweise wird auch angeführt, dass die verwendeten Produkte wie Pflanzenfette sehr gesund seien und z.B. Veganer Lebensmittel aus pflanzlichen Produkten befürworten. Das mag zwar stimmen, aber wollen eben die Käufer von Käse, welcher als Produkt aus Milch definiert wird, keine Pflanzenfette etc. zu sich nehmen, sondern tierische Milch. Man müsse sich vorstellen, wenn im umgekehrten Falle Produkte, die speziell für Veganer hergestellt werden, tierische Inhaltsstoffe enthielten und dies nicht deutlich sichtbar kenntlich gemacht würde. Das wäre sofort ein skandalöser Betrug. In Tofuwürstchen darf keinerlei Fleisch enthalten sein, Sojamilch muss rein pflanzlich sein. Umgekehrt muss ein tierisches Produkt allerdings nur teilweise oder sogar gar nicht aus den angepriesenen Bestandteilen bestehen. Ich bleibe beim Beispiel des Autokaufs um das ganze erneut ad absurdum zu führen. Würde der Kunde seinen Audi, der sich als Ford herausstellt beim Händler reklamieren und bekäme zur Antwort ‚Ihr Nachbar ist aber leidenschaftlicher Fordfahrer’, wäre dieser wohl wenig begeistert. Denn ich als Kunde möchte Waren natürlich nach meinen Vorstellungen und Wünschen kaufen, ob die Kaufinteressen anderer Verbraucher damit übereinstimmen ist vollkommen irrelevant.

Es geht auch anders
Einige halten die Debatte zudem für vollkommen überflüssig und bedienen sich eines ähnlichen Arguments. Früher war es in ärmeren Haushalten üblich statt der teuren Produkte wie z.B. Lachs den günstigeren Alaskaseelachs zu kaufen. Auch hier wird wieder mit dem Verkaufsverhalten anderer Konsumenten argumentiert. Doch gerade der Alaskaseelachs ist ein gutes Beispiel dafür, wie Hersteller es richtig machen können. Zum einen ist dieser deutlich günstiger als der echte Lachs und nicht etwa wie Fol Epi und Du darfst mit das teuerste Produkt mit Regal. Zum anderen ist dieser Lachsersatz als eben solcher gut leserlich auf der Vorderseite unter dem Produktnamen gekennzeichnet. Für die im Beitrag benannten Produkte wären Bezeichnungen wie „Analogkäse“, „Käseersatz“, „aus Fischeiweiß“, „mit Vanillin“ ebenso aufschlussreich wie praktikabel. Der Kunde weiß auf den ersten Blick, was er einkaufen wird. So wie einige Kunden Alaskaseelachs dem normalen Lachs vorziehen, essen andere gerne Schmelzkäse oder mögen den Geschmack von Vanillin. Die ehrliche Kennzeichnung muss demnach nicht bedeuten, dass die Hersteller ihr Produkt nicht mehr verkaufen können. Es würde jedoch bedeuten, dass die ohnehin schon nicht mehr gerechtfertigten Preise vom Kunden auch nicht mehr bezahlt würden, was zu Gewinneinbußen führen würde.

Was wird nun?
Der Hinweis, die verwendeten Produkte seien ja nicht gesundheitsschädlich, zeigt mit welcher Gleichgültigkeit und Unverschämtheit der Verbraucher behandelt wird. Nachdem er schon um das angepriesene Produkt betrogen wurde, darf er froh sein, dass man ihn doch zumindest nicht vergiftet. Das sollte jedem schon ein Preiszuschlag von 10 oder 20% wert sein.

Für diese Diskussion gibt es schlussendlich zwei Alternativen. Entweder wird das ganze nach einiger Zeit nicht mehr aktuell sein und in den Archiven der Medien verschwinden, oder der Gesetzgeber muss sich der Sache annehmen, da die Hersteller offensichtlich nicht in der Lage sind, über die rechtlichen Grenzen hinaus verantwortlich und nicht nur gewinnorientiert zu handeln. Bis es soweit ist, sollte jeder auch beim alltäglichen Einkauf auf das Kleingedruckte achten.

 

 

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