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Mythen und Gewissheit über die Wikinger

von KATHLEEN SCHULZE
Veröffentlicht: 05.11.2010 / 16:00 Uhr

Die Sagas über die Wikinger sind nach wie vor aktuell und beliebt. Auf viele wirken die Mythen der mutigen Seeräuber wegen ihrer ausgeprägten Gewaltbereitschaft und gewaltigen Eroberungen besonders anziehend. So ist es nicht verwunderlich, dass sich das historische Phänomen der Wikinger für zahlreiche Museen, Fernsehserien, Kinderfilme sowie -bücher, Romane und Comics eignet. Jüngst wurde die Thematik sogar in einen Kinofilm umgesetzt. Der Begriff „Wikinger“ ist vermutlich altnordisch, bedeutet „Seeräuber“ und bezeichnet somit nur einen kleinen Ausschnitt der Bevölkerung, nämlich den, der zur See fahrenden Krieger. Trotzdem gaben diese Krieger einer ganzen Epoche einen Namen „die Wikingerzeit“. Was ist wirklich dran an den Wikinger? Was ist Mythos und was ist Wahrheit? Wie gestaltet sich das Leben und die Gesellschaft um diese Krieger? welche Rolle spielt die Familie? Waren die Wikinger lediglich Eroberer und Plünderer?

Mythen und Gewissheit
Die Vorstellung, dass die Wikinger ein primitives Volk aus dem Norden waren, welches Schwerter und Äxte schwingend Europa ausplünderte ist bis heute noch weit verbreitet. Funde belegen, dass es sich bei den Wikingern weniger um Barbaren als mehr um eine zivilisierte Gemeinschaft handelte, deren Kultur[1] den anderen europäischen Völkern gegenüber nicht weniger entwickelt war. Zum Beweis einer Grabkultur wurden unter anderem vergrabene Schiffe freigelegt. Diese dienten höchst wahrscheinlich als Begräbnisstätten für beachtenswerte Persönlichkeiten des Seekriegs. Der Leiche wurden Güter mit ins Schiff gegeben, um dem Verstorbenen die weitere Reise ins Jenseits zu erleichtern. Das am üppigsten und aufwendigsten ausgestattete Grab, das bislang gefunden wurde, ist das einer Frau. Es wurde in Oseberg in Norwegen entdeckt und enthielt Wagen, Schlitten, Truhen, Landwirtschafts- sowie Haushaltsgeräte und kostbare Stoffe.

Neben der fehlerhaften Hörnerhelm-Illustration werden Wikinger auch gerne als Met trinkende Saufgesellen dargestellt. Fürwahr zeichnete sich die Freizeit mit einer erhöhten Trinkfreudigkeit aus. Es wurde aber vor allem Bier konsumiert, das in verschiedenen Sorten existierte. (Meist aus Malz, weniger aus Hopfen gebraut.) Dieses Getränk sollte man sich jedoch nicht so vorstellen wie das heutige Bier, da es damals mit Honig versüßt wurde. Die Wikinger kannten natürlich auch den Met[2]. Beide Getränke wurden aus Rinderhörnern oder Nachbildungen aus Metall mit kunstvollen Verzierungen getrunken. Nicht auszuschließen ist, dass ausgiebiges Trinken zu den Beschäftigungen zählte, die ein Mann tun sollte, wenn er sich als solcher würdig zeigen wollte. Darüber hinaus existieren weitere festgelegte Trinkriten. Beispielsweise tranken Männer und Frauen in der Regel gemeinsam.[3]

Dennoch sieht der heutige Mythos über das nordische Volk in erster Linie die Männer als Krieger im Vordergrund, sowie auch das Plündern und die Seefahrten. Das geläufige „heldische Lebensgefühl[4] dieser Zeit legt eine an Männlichkeitswahn grenzende Verehrung nahe, welche die Eigenschaften der Herren besonders hervorhebt.

Land und Leute
Das Seefahrervolk hat seinen Ursprung in den Ländern der Fjorde - Skandinavien[5], also im modernen Sinn: Dänemark, Norwegen und Schweden. Vermutlich haben die Wikinger ihre Wurzeln bei den prähistorischen Ahnen, die Skandinavien lange vor den ersten Aufzeichnungen bewohnten.[6] Die Vorfahren setzten sich zum größten Teil aus Jägern, Sammlern, Bauern und Fischern zusammen.

Der Beginn des Wikingerzeitalter wird auf 793[7] datiert, mit dem ersten aufgezeichneten Raubüberfall von Norwegern auf die der Nordostküste vorgelagerte Klosterinsel Lindisfarne und endet im 11 Jahrhundert mit dem Prozess der Bekehrung Skandinaviens zum Christentum[8]. Genauere Daten wie das Jahr und der Tag des 25. September 1066 werden im engeren Sinne mit dem Untergang der Wikingerzeit betrachtet. Am 25. September 1066[9] überbot der englische König Harold Godwinson in der Schlacht um Stamford Bridge das norwegische Heer des Königs Harald des Harten und vereitelte damit den letzten Versuch, England unter skandinavischer Hoheit zu halten. Im selben Jahr wurde aber auch die bedeutendste wikingische Handelsstadt, Haithabu, durch ein slawisches Herr so vollständig zerstört und niedergebrannt, dass der Ort nicht wieder von den Wikingern besiedelt wurde. Noch bevor die Wikinger als Krieger aber auch als Entdecker und Händler verschwanden um neue Lebensräume zu erschließen, lebten sie von der Landwirtschaft und Viehzucht.

Das Leben spielte sich vermutlich in dörflichen Strukturen vorzugsweise von Clans und Familien ab. Das Klima war eher kalt, die Anbauzeit für die Felder war nur in einer kurzen Periode des Jahres möglich. In manchen Gegenden Skandinaviens wurde die Nahrung zeitweilig immer knapper. Hieraus resultierten mehrere Konflikte zwischen den verschiedenen Sippen. Nach dem Prinzip des Rechts des Stärkeren überfielen stärkere Clans schwächere. Mit Äxten und Schwertern plünderten sie die Ernte und das Vieh. Einige Wikinger versuchten, aufgrund der schwierigen Bedingungen im Norden, ein neues Lebensumfeld in anderen Regionen der Erde zu errichten . Viele schlossen sich diesen Siedlern an, auf der Suche nach neuen Ländern und schnellem Reichtum. Die ersten Langschiffe wurden aus den Werkzeugen welche vorher Scheunen und Häuser bauten gefertigt. Der Bau dieser Schiffe ist zu dem damaligen Zeitpunkt revolutionär.

Familie und Gesellschaft
Familien galten in der Wikingerzeit als eigenständige politische Einheit.[10] Eheschließungen und Blutsverwandtschaften schufen Banden. Die Abstammung lief vermutlich über die männliche Linie.[11] Frauen hatten eine geachtete Stellung in der Familie sowie auch in der Gesellschaft.[12] Der Familie oblag eine gemeinschaftliche Verantwortung für ihre Mitglieder, wie im skandinavischen Recht, welches sich in der späten Wikingerzeit kodifizierte, festgelegt wurde. Die Buße für einen Mord umfasste zum Beispiel die Zahlung eines Betrages von einer Familie an die andere.[13] Für gewöhnlich aber nahmen Familien im Umkreis gemeinsam an religiösen Feierlichkeiten sowie an Festen teil und arbeiten gemeinsam auf dem Feld. In diesem Rahmen lernten sich die die heiratswilligen Jungen und Mädchen kennen. Das häusliche Leben steuerte die Frau, die Haupttätigkeit galt dabei der Zubereitung von Speisen, der Verarbeitung von Stoffen und somit der Herstellung von Kleidung.[14] Sklaven als Arbeiter im Haushalt zu besitzen war für jene Wikinger üblich die sich das leisten konnten.[15]

Als Zeugnisse, aus denen etwas über die soziale Stellung der Frau innerhalb des wikingerzeitlichen Skandinavien in Erfahrung bringen könnte sind Runensteine[16] sowie Reiseberichte von christianisierten Iren und muslimischen Arabern.

Diese neigten jedoch zu Übertreibungen und Falschdarstellung, so wurde zum Beispiel von Vielweiberei und öffentlichen Beischlaf bei Kaufleuten mit Sklavenmädchen berichtet. Die Reisenden waren wahrscheinlich eher überrascht von den „laxeren skandinavischen Sexualgewohnheiten“[17]. Eine andere Quelle[18] berichtet von der voreingenommen „Frauenart[:]

Trau nicht des Mädchens traulichem Wort,
noch wenger den Reden der Weiber;
Ihr Herz ward geschaffen auf schnurrendem Rad
und ihr Busen ist Wankelmuts Wohnung.

Das Wort eines Weibes hat manch bravem Mann
Schon Kopf und Kragen gekostet;
Ein Lästermaul hat ihn ums Leben gebracht;
Ganz ohne sein eigen Verschulden.“[19]

Hierbei ist zu beachten, dass die Lieder - Edda zusammen mit der Prosa- Edda erst im 13. Jahrhundert[20] zusammengefasst wurde, genauer gesagt um 1220 von Snorri Sturluson[21], und es sich im Groben um eine niedergeschriebene Sammlung von Götter- und Heldenliedern sowie Prosa Texte handelt. Zu beachten ist also bei dieser Quelle, dass sich beim Niederschreiben der christliche Glaube verbreitet hatte und somit den heidnischen bereits verdrängte hatte.

Noch einen anderen Anhaltspunkt für die Gesellschaft der Wikinger gibt uns das Merkgedicht von Rig („RígsÞula“[22]), aufgeschrieben um 1400[23], hier in kurzen Auszügen

 

„1
Einst ging, sagt man,
grüne Wege […]
der Wanderer Rig.“[24]

„5
[…]
nunmehr lag er
inmitten des Betts,
ihm zur Seiten
die Ehegatten“.[25]

7
Einen Buben gebar sie,
braun von Schmutz;
sie netzten ihn
und nannten ihn Knecht“.[26]

„21
Ein Kind gebar Amma,
schlug`s ein ins Tuch;
sie netzten ihn
und nannten ihn Karl,
[…]“[27]

„35
Ein Sohn gebar Mutter,
hüllt ihn in Seide;
sie netzten ihn
und nannten ihn Jarl,
[…]“[28]

„43
So wuchsen Jarls
Junge Söhne,
zähmten Rosse,
rundeten Schilde,
[…]“[29]

„44
Jung König aber
Kannte Runen,
[…]
auch konnte er Krieger schützen,
den Sturm stillen,
stumpfen das Schwert.“[30]

 Der Gott Rig reiste durch die Welt, er besuchte drei Ehepaare. Stets verbrachte er die Nacht mit der jeweiligen Hausherrin und zeugte somit drei verschiedenartige Söhne; den Knecht (Sklaven), den Karl (freier Mann) sowie den „Jarl“[31] (König). Weiterhin besagt das Merkgedicht welche Aufgaben und Pflichten dem jeweiligen Sohn zukommen. Alle drei suchten sich im Mannesalter ihre Gefährtinnen und zeugten Nachkommen. Auf diese Weise wurden die drei Gesellschaftsklassen in der Wikingerzeit begründet.[32] Die allgemeinen Verwaltungsstrukturen wandelten sich jedoch im Laufe der Zeit und sind sogar ortsabhängig. So existierte zum Beispiel in Island kein Jarl und in Dänemark hatte der „Styroesman“[33] die administrative Befugnis über die militärischen Kompetenzen. Dieses Amt war erblich[34] und weist somit einen Zusammenhang mit dem Merkgedicht des Rig auf, da die 3 Söhne jeweils nur ihren gesellschaftlichen Stand auf den Erbfolgen übertragen konnten.

Weitere, für die Wikinger wichtige, Götter sind Odin, Thor, Freyr und Freya.[35] Odin ist der Göttervater von Thor und hat Frigg als seine Ehefrau. Er ist der Gott des Krieges und führt das Totenheer an, welches er in Walhall[36] um sich versammelt hat. Freyr, der Fruchtbarkeitsgott und seine Schwester Freyja, die Göttin der Liebe waren vor allem im Gebiet des heutigen Schwedens beliebt. Freyja war nicht nur die Göttin der Liebe und der Ehe, ihr wurde zusätzlich Sinn für Schönheit zugesprochen sowie den ersten Rang der Walküren.[37] Auch holte sie gefallene Krieger vom Schlachtfeld zu ihr.[38] In Norwegen und Island war Thor der wichtigste Gott. In der Mythologie ist er der Beschützer der Welt der Menschen, aber auch Gott des Gewitters.[39]

Zum öffentlichen Leben der Wikinger sei das „Þing“[40] erwähnt, für die Rechts- und Thingversammlung wurde der Gott Tiu[41] angerufen. Diese Institution, des Þing, hatten drei Funktionen. Zum ersten diente das Þing dem Handel, da dort Geschäfte und Märkte abgehalten wurden. Zweitens entschied man hier wichtige Rechtsstreitigkeiten und erließ Gesetze. Drittens hatte das Þing eine religiöse Bedeutung, da es ursprünglich an einer Kultstätte abgehalten wurde. Somit waren von einer Institution die drei größten Bereiche des öffentlichen Lebens der Wikinger abgedeckt, die eng mit einander verknüpft waren. Folglich hatte das Recht einen heiligen Charakter sowie auch die Geschäfte welche rechtlich geregelt wurden. Zugang zum Þing hatten allerdings nur freie Männer und Könige. Vor der heiligen Rechtsprechung als öffentliche Angelegenheit konnte sich nicht einmal letzterer entziehen.[42] Jedoch hat das Þing keinen demokratischen Charakter. Alle Genossen besaßen zwar eingeschränkte Redefreiheit jedoch einigten sich die Teilnehmer auf der Grundlage eigener genau abgewogener Familieninteressen. Kam es in einer Rechtssprechung zu einer Verbannung, blieb dem Mann immer noch die Schifffahrt um unbekannte Ufer zu entdecken.

Schiffbau und erste Raubzüge
Markante historische Einschnitte des skandinavischen Schiffsbaus bilden zweifellos die Entstehung des Plankenschiffs (gegenüber Einbaum oder Fellboote) sowie, einige Zeit später: die Einführung des Segels.[43] Das Langschiff begründet den Ruhm der Wikinger als Schiffbaumeister und Seefahrernation. Nur Dank der neuen Technologie übers Wasser zu reisen, nehmen sie einen so prominenten Platz in der europäischen Geschichte ein. Die größte Klasse der Kriegsschiffe war das Drachenboot, welches in der Lage war ungefähr 70 Krieger zu befördern.[44] Ein weiterer Bootstyp war das Lastschiff, dieses war langsamer aber stabil. Die Ruderpaare dienten lediglich zum Ab- und Anlegen. Vermutlich dauerte es etwa sechs Wochen um ein Schiff zu bauen. Die Anleitung konnte beliebig variiert werden, so brauchte man für ruhige Gewässer Schiffe die etwas breiter waren, für den Ozean etwas tiefere. Wenn die Plünderer die europäischen Flüsse für ihre Angriffe hochfahren wollten, dann konnten sie ihre Schiffsbaupläne genauso benutzen nur eben in einer kleineren Version. Diese Schiffe waren leicht genug um über Land getragen zu werden bzw. auf Baumstämmen gerollt. Man konnte sie die Flüsse hochziehen oder mit ihnen segeln. Die Schiffe waren für diese Zeit blitzschnell[45], kein bis zu dem Zeitpunkt gebautes Boot konnte mit ihnen mithalten oder gar einholen. Mit den neuen Technologien war es möglich von Norwegen nach Schottland zu reisen, von den Färöer Inseln nach Island und von Island nach Grönland  – also über das offene Meer. Die Schiffe der Wikinger waren besonders stabil und schnell für die Küsten oder eben auch für die hohe See.

Die ersten Raubzüge wurden in Lindisfarne, eine kleine Insel vor der heutigen schottischen Küste, am 8 Juni 793 organisiert. Dort lebten Mönche, denn Lindisfarne war einer der heiligsten Orte Britanniens mit dem Kloster Sant. Cuthbert. Die Angriffe auf die britische Küste war nur der Anfang der Raubzüge. Die Wikinger nutzten jegliche Wasserwege um in den Gebieten von England bis nach Süditalien[46] zu handeln, zu siedeln und zu plündern.[47]

Reiseberichte und Landnahme
Europa war den Wikingern mittlerweile vertraut, es wurde Zeit über die Meere zu segeln und neues Land zu entdecken. Vermutungen wo fruchtbarer Boden zu finden war gab es viele, Prahlgeschichten und Augenzeugenberichtete von vom Kurs abgekommenen Seglern gab es einige. Ingolf und Leif von Firdafylke segelten nach Island und gründeten Reykjavik. Die große Landnahme von Island fand von 874 bis 930 statt. Die ersten Ankömmlinge konnten sich so viel Land nehmen wie sie wollten, die später Ankommenden konnten ihnen dann etwas Land abkaufen oder mussten mit der vom Polarstrom bespülten Nord- und Ostküste vorlieb nehmen. Von Haralt Schönhaar ist eine rechtliche Grundlage der Landnahme[48] überliefert:

„Keiner solle mehr Land nehmen, als er mit seiner Schiffsmannschaft an einem Tag mit Feuer umfahren könne. Man solle ein Feuer anzünden, wenn die Sonne im Osten stehe. Dann solle man andere Rauchfeuer anzünden, so dass man ein Feuer von dem anderen aus sehen könne. Aber die Feuer, die entzündet wurden, als die Sonne im Osten stand, sollten brennen bis zur Nacht. Dann solle man gehen, bis die Sonne im Westen stehe und da andere Feuer anzünden.“[49]

Ein Landsucher wurde um das Jahr 900 auf dem Weg nach Island westwärts verschlagen. Er  sichtete einige Inseln: die „Gunnbjörninseln“[50]. Dieser Erfahrungsbericht verblieb noch einige Jahre auf Island bis Erik der Rote Ende des 10. Jahrhunderts mit einer Expedition gen Westen aufbrach.[51] Diese Expedition kam vermutlich zustande, da Erik, der leicht reizbare, im Kampf zwei Söhne des Gegners tot schlug und im Thing für drei Jahre friedlos[52] erklärt wurde. Die Grœnlendinga saga berichtet:

„Auf dem Thorspitz-Thing ward Erich der Rote geächtet. Da rüstete er sein Schiff […]. Er sagte ihnen [Styr und seinen Leute], er wolle das Land wieder finden, das Ulf Krähes Sohn Gunnbjörn sah.“[53]

Erik segelte an Grönlands Küste entlang und fand die Fjordlandschaft von Julianehaab welche er „Österbygden“[54] nannte. Als die drei Jahre verstrichen waren kehrte er nach Island zurück und prahlte von der Insel Grönland[55] und den unzähligen gesichteten Siedlungsräumen.

Mit der Behauptung Grünland hätte viele fruchtbare Weiden und Wild, erwies Erik einen psychologischen Weitblick. Die Begeisterung für das neue Land war groß, im Frühling 986 liefen 25 Schiffe mit  500 bis 700 Menschen mit zusätzlichem Vieh, Werkzeugen und Holz westwärts zu einer planmäßigen neuen Landnahme aus.[56] Erik war nun Leiter und Organisator und baute in Österbygden seinen Hof Brattahild. Er verteilte das Land und sorgte sich für eine neue Thingstätte. Auf dem Hof Brattahild ließ Erik sich mit seiner Familie nieder.[57]

In der Grœnlendinga saga steht dazu:

„Man wertete ihn [Erik den Roten]sehr hoch, und alle beugten sich vor ihm. Seine Söhne hießen Leif, Thorvald und Thorsein, seine Tochter Freydis.“[58]


  • [1] BOYER, S. 250.
  • [2] SIMEK, S. 7.
  • [3] BOYER, S. 266.
  • [4] SIMEK, S. 99, Z. 3.
  • [5] BATEY, S. 12.
  • [6] KONSTAM, S. 9.
  • [7] P.M. HISTORY, S. 31.
  • [8] BATEY, S. 38.
  • [9] SIMEK, S. 9.
  • [10] KONSTAM, S. 18.
  • [11] Ein Indiz dafür ist die „Weitergabe“ der Namen vom Vater auf den Sohn; zum Beispiel (Vater) Erik der Rote - (Sohn) LeifErikson, (Vater) Herjulf - (Sohn) Bjarne Herjulfsson.
  • [12] GRAHAM-CAMPBELL, S. 10, Randbemerkung.
  • [13] KONSTAM, S. 18.
  • [14] GRAHAM-CAMPBELL, S. 122.
  • [15] KLINDT-JENSEN, S. 127.
  • [16] SIMEK, S. 100.
  • [17] SIMEK, S. 101, Z. 29f.
  • [18] Die Lieder-Edda wurde 1912 von Felix Genzmer zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt.Der Begriff „Edda“ bezeichnet heute zwei unterschiedliche Werke, die beide aus dem isländischen Hochmittelalter stammen. Nur die Edda des Isländischen Snorri Sturluson, die Snorra Edda, trägt diesen Titel mit vollem Recht. Diese so genannte „Snorra Edda“ ist ein gelehrtes Werk über die Dichterkunst, etwas 1225 entstanden, das quasi nebenbei  zahlreiche der bekannten Göttergeschichten der nordischen Mythologie überlieferte. Die so genannte „Lieder-Edda“ dagegen ist eine von der Wissenschaft durchwegs als hochgradig wichtige bezeichnete Handschrift, die in Island um 1275 niedergeschrieben wurde und eine Sammlung von Liedern unterschiedlichen Alters über alte Stoffe aus Götter- und Heldensagen enthält. Diese noch heute mitunter fälschlich als „Ältere Edda“ bezeichnete Handschrift ist genau so wenig eine religiöse Schrift wie auch die Prosa-Edda, beide sind stattdessen  eine dichterische Gestaltung alter Heldensagen. (z.T. aus Simek, Rudolf; Die Edda, München 2007.)
  • [19] Lieder-Edda,  S. 126, Z. 1 – 9.
  • [20] SCHIER, S. 9.
  • [21] KRISTJÁNSSON, S. 25.
  • [22] KRISTJÁNSSON, S. 40, Z. 9.
  • [23] KRISTJÁNSSON, S. 40.
  • [24] Die Edda, S. 97, Z. 1 – 6.
  • [25] Die Edda, S. 97, Z. 38 – 41.
  • [26] Die Edda, Z. 49 – 52.
  • [27] Die Edda, S. 99, Z. 31 – 34.
  • [28] Die Edda, S. 101, Z. 5 – 4.
  • [29] Die Edda, S. 102, Z. 16 – 19.
  • [30] Die Edda, S. 102, 23 – 30.
  • [31] BOYER, S. 229, Z. 20.
  • [32] BOYER, S. 230.
  • [33] BOYER, S. 247, Z. 39.
  • [34] BOYER, S. 247.
  • [35] QUEBBEMANN, S. 37. (Dabei gibt es regionale Unterschiede. Odin war vor allem in Dänemark beliebt, worauf Ortsnamen wie „Odense“ hinweisen. Er war der Gott der über Sieg und Niederlage entschied in einem Kampf.)
  • [36]Walhall, „The Hall of the Slain“, die große Halle des Gottes Odin. Walhall ist der Ort an dem die Seelen der tapferen Krieger verweilen, welche im Kampf umgekommen sind. Ausgesucht von Odin bringen die Walküren die Gefallenen in das „Kriegerparadis“, dort können sie jeden Tag kämpfen um dann abends wieder aufzuerstehen um zu essen und zu trinken. (z.T. aus: Haywood, John: Encyclopaedia of the Viking Age, London 2000.).
  • [37] Walküre,  „Choosers of the slain“, jungfräuliche Kriegerinen die bei Odin in Walhall leben. Walküren holten die gefallenen Krieger vom Schlachtfeld ab und begrüßten sie im Namen Odins. (z.T. aus: Haywood,
  • John: Encyclopaedia of the Viking Age, London 2000.).
  • [38] QUEBBEMANN, S. 38, Randbemerkung.
  • [39] QUEBBEMANN, S. 37.
  • [40] Thing.
  • [41] QUEBBEMANN, S. 37, Randbemerkung. (Der Gott des Rechts und der Tingversammlung hält dem wilden Wolf Fenrir seine eigene Hand als Pfand hin, damit ihn die anderen Götter mit einem magischen Faden fesseln können.
  • [42] BOYER, S. 294.
  • [43] SIMEK, S. 38.
  • [44] MÜLLER- BAUSENEIK, S. 55.
  • [45] MÜLLER-BAUSENEIK, S. 56. (Schiffsarchäologen halten eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 Knoten für möglich.
  • Das war doppelt so schnell wie die damaligen Lastschiffe.)
  • [46] KÜPPER, S. 73.
  • [47] Siehe Anhang, Abb. 5.
  • [48] Harald Fairhair, lebte vermutlich 880 bis 930 und war König von Norwegen. Der „Snorra Edda“ zufolge,wollte Harald ein vereinigtes Norwegen. Bis er dieses Ziel erreichen sollte, würde er es unterlassen sein Haar weder zu kämmen noch zu schneiden. (z.T. aus: Haywood, John: Encyclopaedia of the Viking Age, London 2000.).
  • [49] OXENSTIERNA, S. 183f, Z. 40 – 3.
  • [50] OXENSTIERNA, S, 186, Z. 2.
  • [51] FORTE, S. 338.
  • [52] Vogelfrei, verbannt.
  • [53] Grœnlendinga saga, S. 81, Z. 23 – 29.
  • [54] OXENSTIERNA, S. 186, Z. 14, die Ostsiedlung.
  • [55] Grünland
  • [56] OXENSTIERNA, S. 186.
  • [57] Siehe Anhang, Abb. 6. (In Brattahild sind bis heute Überreste drei großer Hofstelle aus Stein sowie ein Thing Platz und eine Steinkirche sichtbar. Die meisten Steinstrukturen sind aus dem 13ten und 14ten Jahrhundert. z.T. aus: Haywood, John: Encyclopaedia of the Viking Age, London 2000.)
  • [58] Grœnlendinga saga, S. 83, Z. 9 – 10.

 

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