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Die Europäische Industrialisierung 2

England im Vergleich zu anderen europäischen Staaten
Die erste Phase der englischen Industrialisierung bezog sich auf die Eisen und Baumwollindustrie. Eine erhöhte Anzahl an Patentanmeldung kennzeichnete das Bevorstehen einer dynamischen Entwicklung. Von 1770 bis 1800 verzehnfachte sich die Produktivität der Textilindustrie, bis Mitte des 19. Jahrhunderts verhundertfachte sie sich. Durch ein von Dampfmaschinen angetriebenes Gebläse, konnte die Koksglut lange Zeit auf hoher Hitze gehalten werden, sodass Kohle in hoher Quantität zu Eisenerz hergestellt werden konnte. Durch das vereinfachte Verfahren vergünstigte sich das Eisen und Spinning_jennykristallisierte sich als zentrales Gut der Industrialisierung. Eingesetzt wurde und wird Eisen in der Produktion für beispielsweise Pflüge, Rohre, Kessel, Maschinen, Werkzeuge und Brücken. Einen erheblichen Anteil an der explosionsartigen Industrialisierung löste der Eisenbahnbau aus. Innerhalb von 5 Jahren (1843 bis 1848) wurde das Bahnnetz in England mehr als verdoppelt, bis 1867 von 2000 Meilen auf 12000 Meilen versechsfacht. Die schnelle Verbreitung der Eisenbahn hatte ökonomisch ungekannte Multiplikatoreffekte zur Folge. Zu dieser Zeit betrug die britische Gesamtproduktion fast die Hälfte der Gesamteuropäischen Güterherstellung. Angefacht durch den Siegeszug der Eisen-, Baumwollindustrie und der damit gestiegenen Nachfrage, reagierte die Metall-, Keramik-, Glas, Uhren und Möbelindustrie ebenfalls mit starkem Wachstum. Auch in diesen Wirtschaftssektoren wurde die Herstellungstechnik verbessert. 1830 produzierten die Briten in Bezug zu Europa 45% des Roheisens, 66% der Baumvolle, 78% der Kohle und besaßen über 90% des gesamten Eisenbahnnetzes. Die bürgerlichen Unternehmer haben nach Martin Wieners Studien etwa ab 1850 die Aristokraten fast unbemerkt abgelöst. Die Neureichen kopierten den adligen Lebensstil, sodass die ursprüngliche Herkunft der Oberschicht äußerlich schwer zu unterscheiden war.

Eine beschleunigte Industrialisierung begann in den übrigen westeuropäischen Staaten und den USA nach den Napoleonischen Kriegen. Von diesem Zeitpunkt an setzte ein Aufholprozess gegenüber Großbritannien ein. Die Britische Wirtschaft verlangsamte dagegen das Wachstum ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts. Gründe dafür sehen die Wissenschaftler der damaligen Zeit auf vollkommen unterschiedliche Weise. Demnach war das Schulsystem zu sehr auf die Erziehung des Charakters und zu wenig wissenschaftlich orientiert, die Auslandsinvestitionen wurden für zu hoch empfunden, die Kolonien zu teuer. Einige Wissenschaftler gingen davon aus, dass das langsame Wirtschaftswachstum Englands durch das Aufholen der anderen Staaten ausgebremst wurde.

 

Englands Außenpolitik – Kriege und Kolonien
England hatte Holland die Seeherrschaft der Weltmeere bereits im 18. Jahrhundert abgenommen und damit auch die Vormachtstellung des Überseehandels. Die beiden Seemächte führten zeitweise kleine Kriege um Handelsstützpunkte aus bei denen Großbritannien vermehrt gewann. Obwohl die Briten um das 18. Jahrhundert in einige Kriege verwickelt waren blieb das Heimatland jederzeit davon verschont. Auch wurde dadurch das ökonomische Wachstum nicht aufgehalten. Die hohen militärischen Ausgaben haben die wirtschaftliche Leistung Englands nicht destabilisiert. Die auswärtigen Kriege und Kolonien wurden hauptsächlich von angemieteten Soldaten bestritten und durch Subsidien finanziert. Letztlich verlor England alleinig den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die 13 Nordamerikanischen Kolonien.

Gegner der Industrie - Die soziale und die grüne Bewegung
Auf dem Höhepunkt der Vormachtstellung, während der Weltausstellung 1851, wurde ein neuer englischer Trend sichtbar – die Rückwendung zur Vergangenheit. Die Interlektuellen, Literaten und Denker sahen den Fortschritt der Industrie als große Fehlentwicklung an. Sie verherrlichten das alte England, welches durch die Veränderung das harmonische Landleben zerstörte und an dessen Stelle Geld und Gier traten. In der Folge entstanden Aufstände, Streiks und Unruhen. Doch diese Ablehnung vermochte den Verlauf nicht zu stoppen und auch kaum zu beeinflussen. Eher wurden von der Industrie abdämpfende Faktoren in Kauf genommen. Ein Jahrhundert später, in den auslaufenden 60iger Jahren, hat dieser Protest weltweiten Anklang. Studenten und umweltbewusste Industriegegner prophezeiten die baldige wirtschaftliche und soziale Katastrophe. Die folgende Grüne Bewegung hatte ähnliche Abneigung der Globalisierung gegenüber. Ergebnis der Aufständischen war eine verstärkte Einbeziehung dieser Interessen in das politische Bewusstsein der Menschen aber auch die Teilnahme an Regierungsaufgaben.

Industrialisierung im weltweiten Vergleich
Wirtschaftswachstum hatte es zu allen Zeiten in vielen Kulturen und Gesellschaften gegeben. Doch hielten diese nicht lange genug an, um eine bedeutend neues Lebensniveau zu erreichen. Sie wurden entweder durch Kriege oder Naturkatastrophen gestoppt. Besonders deutlich wird dieses außergewöhnliche Wachstum in der Einkommenssituation Westeuropas im Vergleich zu anderen Kulturen. Von 1500 bis 1870 vervierfachte Großbritannien sein Bruttoinlandsprodukt je Einwohner. Die gesamtwirtschaftliche Beschleunigung setzte etwa in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts ein. China, Indien, Afrika und Mexiko hingegen blieben auf dem Stand von 1500. China verringerte seine Einnahmesituation sogar noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die westlichen europäischen Staaten folgten der Situationsveränderung Großbritanniens mit leicht differentem Wachstum. Holland, Belgien, Dänemark und die USA nehmen dabei die Plätze hinter den Briten ein. Frankreich und Deutschland wurden zwar allgemein vom Aufschwung dieser Staaten mitgezogen, die explosionsartigen Veränderungen jedoch realisierten sich hier erst am Ende des 19. Jahrhunderts. Die Osteuropäer verzeichneten ein stetiges aber nicht so rasantes Wachstum wie ihre westlichen Nachbarn. Von 1500 bis 1870 verdoppelte sich die Einkommenssituation der osteuropäischen Staaten. Interessant ist der Verlauf der Italiener, sie hatten um 1500 die beste Ausgangsposition mit nahezu dem doppelten Wert an Einkommen zu den übrigen Westeuropäern. Bis 1870 konnte dieser Wert allerdings nur gering erhöht werden, schon um 1700 wurde Italien in dieser Statistik von Großbritannien überholt und ein Jahrhundert später auch von den meisten übrigen Staaten Westeuropas. Die USA entwickelten sich aus dem Schatten von England erst nach dem Zweiten Weltkrieg zur derzeitigen Weltmacht. Die Unterschiede sind im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts gravierend zu erkennen. Großbritannien leistet pro Kopf etwa das Vierzehnfache und die USA knapp das Zwanzigfache in Relation zur Wirtschaftsleistung Chinas und Indiens. Mit dieser Entwicklung einhergehend ist das Bevölkerungswachstum. In den westeuropäischen Staaten ist die Menschenzahl von 1500 bis 2000 fast um das siebenfache gestiegen. Heute stagnieren die Bevölkerungszahlen der Westeuropäer. Ein Ähnlich schnelles Wachstum, wie das der Europäer vor 200 Jahren, findet derzeit in China und Indien statt.

Die Ausgangslage in Deutschland
Mehrere günstige Vorraussetzungen wie das fortschrittliche Schul- und Universitätswesen, gut ausgebildete Verwaltungsapparate, große Rechtssicherheit waren im 18. Jahrhundert gegeben. Zusätzlich profitierte Deutschland von einem weltweit positiven Ruf unter anderem hervorgerufen durch die Augsburger Gold- und Silbergüter sowie die Solinger Schneidereiprodukte. Diese standen jedoch zunächst im Schatten in der für Deutschland eher ungünstigen Ausgangssituation. Die politische Zersplitterung des Alten Reiches mit seinen mehr als 300 territorialen Einheiten wirkte stark hemmend auf die deutsche wirtschaftliche Entwicklung. Die Intensivierung der noch rudimentär ausgebildeten binnenwirtschaftlichen Verflechtungen wurde durch das ständige Kriegsrisiko eben so wie die Stapelrechte und Handelsmonopole behindert. Verkehrsgeographisch ist um 1800 festzuhalten, dass Deutschland deutlich schlechter erschlossen war als das Pionierland England. Auch von Kolonial- und Handelsexpansionen profitierte Deutschland zu dem Zeitpunkt weniger als seine westeuropäischen Nachbarn. Die deutsche Wirtschaft wurde vom primären Sektor (Ursektor) um 1800 geprägt, vorrangig bestanden ertragsschwache Kleinbetriebe. Die Verflechtung dieser landwirtschaftlichen Kleinbetriebe mit dem Markt war sehr gering und das Geldeinkommen somit entsprechend niedrig. Folglich konnten von diesem Teil der Agrarwirtschaft noch keine großen Nachfrageimpulse für die gewerbliche Wirtschaft ausgehen. Eine weitere Erschwernis war, dass die Massenkaufkraft durch feudale Fesseln von Grund- und Gutsherrschaft mit ihren Abgaben, staatliche Steuern und die großen Unterschiede bei der Verteilung des Wohlstandes zusätzlich gedämpft wurde. Obwohl die deutsche Wirtschaft in vielen Bereichen quantitativ als auch qualitativ im Gegensatz zum Pionierland sich im Rückstand befand, so war ab Mitte der vierziger Jahre nicht mehr zu übersehen, dass der industrielle Fortschritt auch in Deutschland immer stärkere voranschritt.

Der Beginn des deutschen Industrialisierungsprozesses
Treibende Kraft der industriellen Entwicklung in Deutschland war eindeutig der Eisenbahnbau. Speziell durch private Aktiengesellschaften aber auch durch staatliches Engagement wurde das Tempo des Eisenbahnbaus deutlich erhöht. 1840 waren im Gebiet des späteren Deutschen Reiches erst 579 Streckenkilometer verlegt, nur Fabrik in Ilmenau um 186010 Jahre später dann 7123 Kilometer. Der Personen und Güterverkehr wuchs dementsprechend rapide an. In den vierziger Jahren stieg der Personenverkehr von 62 Millionen Personen pro Kilometer auf 782 Millionen, der Güterverkehr von 3,2 Millionen auf 302 Millionen Tonnen pro Kilometer. Folglich stiegen auch die Einnahmen der deutschen Bahngesellschaft von 3,26 auf 63,78 Millionen Goldmark. In Betracht der gefahrenen Tonnen je Kilometer ist es nicht verwunderlich, dass als Nebeneffekt der Import anstieg. Roheisen und Eisenprodukte wurden für neue Lokomotiven gebraucht. Noch 1843 kamen 88% der auf deutschen Schienen eingesetzten Lokomotiven aus dem Ausland, 1850 stammten dann schon fast ein drittel von deutschen Herstellern. Bedeutende Wachstumsimpulse erhielt auch die Steinkohleindustrie, die einerseits von der wachsenden Nachfrage der Eisenindustrie profitierte und andererseits durch den neuen Verkehrsträger mit wesentlich niedrigeren Kosten und schnellerem Weg in neue Märkte vorstoßen konnte.

Somit ist der Bahnbau als wichtiger Einschnitt im deutschen Industrialisierungsprozess anzuerkennen, denn er schuf die Grundlagen des schwerindustriellen Sektors aus Eisen- und Stahlindustrie, Steinkohlebergbau sowie Maschinenbau, der sich dann bis in die siebziger Jahre des 19. Jahrhunderts als der eigentliche Motor der deutschen Industriellen Revolution erweisen sollte.

Betrachtung des neuen Zeitalters
Das mit der Industrialisierung neu begonnene Zeitalter stellt einen sozialen und ökonomischen Umbruch dar, den es in diesem Ausmaß zuvor nicht gegeben hatte. Eine vergleichbare Verhaltensveränderung der Menschen ist zuletzt durch die Wandlung des Menschen vom Jäger und Sammler hin zum Ackerbauern bekannt. In der Zeit der Industrie sank die Anzahl derer, die in der Landwirtschaft beschäftigt waren, enorm. Die Steigerung der Produktivität machte es möglich viele Menschen auf einem kleinen Raum (Großstädte entstanden) leben zu lassen. Die Mehrheit der Bevölkerung lebte in Städten. Aufgrund des gut ausgebildeten Schulsystems stieg die Alphabetisierungsquote. In den vor der Industrialisierung bestehenden Hochkulturen ist das Wissen in unregelmäßigen Abständen wieder in Vergessenheit geraten, sodass der Strang an Weiterentwicklung unterbrochen wurde. Die europäische Entwicklung war so sehr wissenschaftlich ausgerichtet, dass die Technologien nicht in Vergessenheit geraten konnte. Pferd, Ochse, und Esel wurden mit jedem Jahr der Schienen- und Straßenerweiterung aus der Wirtschaft verdrängt. Die Lebenssituation der Menschen hat sich abrupt geändert. Das hohe pro Kopf Einkommen sicherte den meisten Menschen die Existenz, doch mit der Verfremdung von Arbeitgeber und Arbeitnehmer entstanden neue Probleme. Die Arbeitgeber hatten keine soziale und moralische Verbindung mehr zu ihren Arbeitnehmern. Der Belegschaft wurde nur noch das Nötigste gezahlt um überleben zu können. Erst am Ende des 19. Jahrhunderts wurden die größten Probleme des Arbeiterelends beseitigt. Im Deutschen Reich verabschiedete der damalige Reichskanzler, Otto von Bismarck, die ersten Versicherungsgesetze aufgrund der immer stärker gewordenen Sozialdemokraten. Die Arbeiter formierten sich in Gewerkschaften und Arbeiterparteien um bessere Arbeitsverhältnisse und Absicherungen politisch durchzusetzen.

Ein strukturiertes Gesundheitssystem steigerte die Lebenserwartung der Menschen. Für wohlhabende Unternehmer waren Konsum an Luxus und auch Urlaubsreisen ermöglicht. Die in der Feudalgesellschaft beruhenden Privilegien die sich auf die Geburtsverhältnisse stützten wurden durch das Kapital und das Geschick der Menschen, wirtschaftlich zu agieren, abgelöst. Wobei es natürlich auch für dieses neue Ordnung von bedeutender Entscheidung war, in welche Familie jemand geboren wurde. Für das Bürgertum war die organisierte Entwicklung der Arbeiterbewegung Macht schwächend. Es reagierte am Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Hinwendung zum Nationalismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Arbeiterparteien besonderen Zulauf und bekamen Regierungsverantwortung.

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Die Europäische Industrialisierung

 

 

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