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Die Bahn

Den Zug verpasst- und jetzt?

von Tabea Franz

bahnkleinDiese Frage hat sich wohl jeder Bahnreisende schon einmal gestellt. Das im Mai 2009 erlassene Anwendungsgesetz zur Fahrgastrechteverordnung und die dazugehörige Verordnung EG Nr. 1371/2007 vom 23.10.2007 geben Aufschluss darüber. Hierin werden sämtliche Bahngesellschaften gleich gestellt, womit nun eine einheitliche Regelung zur Entschädigung entstanden ist.

Höhe der Entschädigung
Klar geregelt ist nunmehr die Untergrenze der Entschädigung. Der Kunde soll nach einer sechzigminütigen Verspätung eine Entschädigung über 25% des Fahrpreises erhalten, nach 120 Minuten 50%. Hierbei ist entscheidend mit welcher Verspätung in Relation zur ursprünglichen Gesamtreisezeit der Reisende am Zielbahnhof eintrifft. Vorher wurde der Kunde nur entschädigt, wenn entweder ein Zug verspätet war, oder durch die Verspätung eine Wartezeit von über 60 Minuten entstand. Aufgrund der neuen Normen werden somit auch mehrere kürzere Verspätungen berücksichtigt, die sich auf die gesamte Reise auswirken. Die Entschädigungssumme ist spätestens einen Monat nach Antragsstellung auszuzahlen.

 

Kritik an den Gutscheinen der Deutschen Bahn AG
Mit der neuen Regelung kann auch das fragwürdige Gutscheinsystem der Deutschen Bahn AG umgangen werden. Bisher bekam der Kunde eine Gutscheinkarte, die dieser innerhalb eines Monats gegen einen Gutschein einlösen musste. Diese Art der Entschädigung ist jedoch in mehrerlei Hinsicht unzulässig. Zum einen hat der Kunde durch die Schlechtleistung des Bahnunternehmens einen Anspruch auf Schadenersatz, die Entschädigung der Bahn ist demnach keine Kulanz, sondern Pflicht. Dem Kunden diese Entschädigung jedoch nur zukommen zu lassen, wenn er erneut die Dienste des Unternehmens in Anspruch nimmt, mit dessen Leistung er nicht zufrieden war, ist sowohl kundenunfreundlich als auch rechtlich bedenklich. Der Kunde wird hierdurch gezwungen, weiteres Geld an das Unternehmen zu zahlen, damit er überhaupt entschädigt wird. Zum anderen darf der Gutschein zeitlich nicht beschränkt werden. Zwar verjähren rechtliche Ansprüche, doch werden diese befriedigt, ist der Geschädigte frei das daraus Erhaltende nach seinem Belieben einzusetzen. Dazu gehört auch, dass der Gutschein unbefristet gültig sein muss.

Schließlich bedeutet diese Praxis sowohl einen finanziellen als auch einen zeitlichen Mehraufwand. Fraglich ist daher, wieso die Deutsche Bahn AG dieses auch für den Kunden umständliche System eingeführt hat. Dass der Kunde durch die Befristung die Einlösung womöglich ganz vergisst und die Deutsche Bahn demnach nicht entschädigen muss, scheint der einzige Vorteil zu sein. Zudem wird teilweise nicht deutlich oder gar nicht darauf hingewiesen, dass dieser Umtausch notwendig ist. Der Kunde hat nunmehr die Wahl, die Entschädigung auch in Form eines Geldbetrags zu verlangen, womit die eben geschilderten Probleme umgangen werden können.

Rücktritt vom Beförderungsvertrag
Verspätet sich der Zug über 60 Minuten, kann der Reisende alternativ zur Entschädigung auch vollständig vom Vertrag zurücktreten, wenn die Weiterreise für ihn zwecklos geworden ist. In diesem Fall ist das Bahnunternehmen zur Rückzahlung des vollständigen Fahrpreises verpflichtet. Zudem muss die Rückreise zum Ausgangspunkt zum nächstmöglichen Zeitpunkt vom Bahnunternehmen getragen werden.

Entstehung zusätzlicher Kosten
Im Fernverkehr ist das Unternehmen zudem verpflichtet sämtliche Hotelkosten und Fahrkosten anderer Beförderungsmittel z.B. des Taxis zu übernehmen, wenn der letzte Zug des Tages aufgrund der Verspätung verpasst wurde (EG 1371/2007 Art. 18 Abs. 1b). Der Reisend ist jedoch verpflichtet, nur angemessene Kosten zu verursachen. Darüber hinaus besteht die Verpflichtung bei einer Verspätung über 60 Minuten auch für die kostenlose Verpflegung in angemessener Weise zur Wartezeit zu sorgen (EG 1371/2007 Art. 18 Abs. 1a). Dies selbstverständlich nur, wenn Getränke und Mahlzeiten entweder vorhanden oder lieferbar sind. 

Im Nahverkehr werden die Kosten für alternative Beförderungsmittel nur bis maximal 80 Euro zurückerstattet wenn die Verspätung über 60 Minuten zwischen 0 Uhr und 5 Uhr liegt, oder der letzte Zug des Tages nicht mehr erreicht werden konnte.

Zudem steht dem Reisenden ab einer Verspätung von 20 Minuten generell das Recht zu, einen andern als den ursprünglich geplanten Zug zu nehmen. Dies kann auch ein höherwertiger Zug sein, der vom Reisenden ohne Aufpreis genutzt werden kann, sofern für diesen keine Reservierungspflicht besteht. Züge, bei denen lediglich eine Reservierungsmöglichkeit angeboten wird, sind jedoch nicht ausgeschlossen.

Ausschluss der Entschädigung
Das Bahnunternehmen ist nicht zur Entschädigung verpflichtet, wenn Handlungen Dritter zur Verspätung führen oder höhere Gewalt, also meist Umwelteinflüsse ursächlich sind. Wichtig ist hierbei, dass der Betreiber des Bahnnetzes nicht Dritter ist, und Beschädigungen an Schienen oder Oberleitungen nicht zum Ausschluss der Haftung führen. Ist die Ursache für den Kunden nicht offensichtlich, ist dieser innerhalb einer angemessenen Zeitspanne über den Vorfall zu informieren. Ist dies nicht der Fall, besteht trotzdem eine Schadenersatzpflicht. Das Bahnunternehmen kann darüber hinaus einen generellen Mindestbetrag festsetzen. Unterhalb dieses Betrags liegende Fahrpreise sind nicht entschädigungsfähig. Dieser Betrag darf jedoch gem. Art. 17 Abs. 1 der Verordnung höchstens 4 Euro betragen.

Kurz und Knapp

  • Entschädigungshöhe ab 60 Minuten Verspätung 25%, ab 120 Minuten 50%
  • Alternative Rücktritt: Dann wird der gesamte Fahrpreis zurück gezahlt
  • Ab 20 Min Verspätung darf der Reisende einen höherwertigen Zug nehmen
  • Im Nahverkehr ab 24 Uhr: Zusätzliche Kosten bis 80 €
  • Im Fernverkehr sind sämtliche zusätzliche Kosten zu übernehmen
  • Entschädigung wahlweise in Form eines Gutscheins oder als Geldbetrag

 

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