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Afghanistan, Irak, Somalia ... Jemen?
von David Noack

 

Unbeachtet von der Weltöffentlichkeit haben die USA die Grundlagen geschaffen, im jemenitischen Bürgerkrieg zu intervenieren.

Nachdem die USA im Jahr 2001 Afghanistan und 2003 den Irak besetzt haben, gingen die amerikanischen Truppen in Somalia 2007 dazu über, Proxies für die „Drecksarbeit“ vorzuschicken und selber nur durch Spezialeinheiten und Luftangriffe präsent zu sein. Nach diesen drei Schritten kommt nun vielleicht der vierte. Präsident Obama erklärte am 01. Dezember 2009:

    "Der Kampf gegen den gewalttätigen Extremismus wird nicht schnell zu Ende gehen, und er reicht weit über Afghanistan und Pakistan hinaus. Er wird eine dauerhafte Prüfung für unsere freie Gesellschaft und für unsere Führerschaft in der Welt sein. [...] Wir müssen geschickt und exakt beim Gebrauch unserer Militärmacht sein. Wo Al-Qaida und ihre Verbündeten Fuß zu fassen versuchen – sei es in Somalia oder im Jemen oder anderswo – müssen sie mit wachsendem Druck und starken Partnerschaften konfrontiert werden."

Der Senat hat daraufhin am 08. Dezember eine nicht-bindende Resolution verabschiedet, welche die USA und seine Verbündeten dazu drängt, „alle möglichen Mittel“ zu benutzen, um den Jemen davon abzuhalten, ein „failed state“ zu werden. [1]

Im Nordjemen herrscht seit fünf Jahren ein Bürgerkrieg, der in mehreren Phasen jeweils in den Jahren 2004, 2005, 2007, 2008 und zuletzt 2009 eskaliert ist. Die jemenitische sunnitisch-dominierte Zentralregierung in Sanaa wirft den schiitischen Aufständischen der Shabab al-Moumineen (Gläubige Jugend) - auch manchmal nach deren Anführer Abdul-Malik al-Houthi "Huthi-Bewegung" genannt - vor, einen Gottesstaat errichten zu wollen. Die Huthis behaupten, lediglich ihre Region beschützen zu wollen und gegen Diskriminierung anzukämpfen.

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Welch explosives Gemisch dieses Gemengenlage hergibt, zeigte die Erschießung von zwei deutschen christlichen Missionaren im Juni diesen Jahres durch sunnitische Extremisten. Die Huthis werfen Saudi-Arabien vor, radikale Fundamentalisten als Gegengewicht gegen den schiitischen Einfluss in der Region des Nordjemen zu unterstützen. Genau die gleiche Strategie hat Riad auch im Libanon angewandt, um ein Gegenstück zur Hisbollah zu schaffen: Die Asbat al-Ansar.

Als Reaktion auf Zusammenstöße im Juni 2009 begann die jemenitische Armee die Operation Verbrannte Erde ("Operation Scorched Earth"). Im Laufe der Zeit begann das nördliche Nachbarland des Jemen, Saudi-Arabien, ebenfalls in den Konflikt einzugreifen. Der saudischen Armee gelang es, von den Houthis besetzte Gebiete zurückzuerobern. Ebenfalls griffen saudische F15- und Tornado-Jets beiderseitig der Grenze in den Konflikt ein. Neben der sunnitischen Großmacht sollen ebenfalls jordanische und marokkanische Kommandos an dem Krieg teilnehmen. Jordanien stellt bis zu 2000 Soldaten und Marokko hat Eliteeinheiten an das Rote Meer entsandt. [2] Das energische Vorgehen Saudi-Arabiens und seiner Verbündeten hat einen besonderen Grund: Die Islamische Republik Iran.

 

Gerüchte gab es schon lange, dass der Iran hinter der Houthi-Bewegung steht. Der Norden des Jemen, die Basis der Houthis, ist eine Region, in der die schiitische Sekte der Zaiiditen wohnt. Mit der Schia im Iran hat diese religiöse Richtung wenig zu tun. Doch in der strategischen Planung des Iran nimmt der Nordjemen eine besondere Rolle ein: Ein Stützpunkt am nördlichen Eingang des Bab-el Mandab (Tor der Tränen) könnte den westlichen Schiffhandelsverkehr am Horn von Afrika bedrohen. Zusammen mit Hisbollah-Waffen, die den Suezkanal erreichen können und den Iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran - eine religiös geführte militärische Spezialeinheit des Iran), welche die Straße von Hormuz bedrohen, sind damit drei virale Punkte des Rohstoffnachschubs des Westens in der Reichweite seines Einflusses.

Die mit iranischer Hilfe aufgebaute libanesische Hisbollah scheint im Jemen präsent zu sein. So sollen Spezialeinheiten der libanesischen Aufständischen bereits ein jemenitisches Flugzeug abgeschossen haben. Gemeinsam mit den Pasdaran bildet die Hisbollah wohl Houthi-Kämpfer aus. Die Londoner Zeitung Al-Sharq Al-Awsat hat berichtet, dass es auch ein trilaterales Treffen zwischen Pasdaran-, Hisbollah- und Houthi-Kämpfern gegeben hat.

Der Nordjemen ist also zu einem Schauplatz eines sunnitisch-schiitischen Stellvertreterkrieges geworden, der die gesamte Region destabilisieren könnte. Doch neben Saudi-Arabien, Marokko und Jordanien hat der Jemen noch andere Verbündete: Die westlichen Staaten – die USA allen voran. Doch auch Deutschland zeigt zunehmend Präsenz in dem nahöstlichen Land. Vom Jahr 2000 bis 2007 allein hat Deutschland 62 jemenitische Offiziere ausgebildet.  Neben Ausbildungshilfe für Kriminalpolizei – zuletzt ein Lehrgang der deutschen Polizeien im Frühjahr in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa und ein Arbeitsbesuch der deutschen Polizei in Sanaa im Sommer – werden mittlerweile jährlich Militärberater in das Land auf der Arabischen Halbinsel entsandt. So waren vom September bis Oktober 2008 und erneut März bis zum Mai 2009 sechs Soldaten zur „Unterstützung der medizinischen Versorgung“ stationiert. [3] In welchem Landesteil ist nicht bekannt.

Der größte westliche Verbündete der jemenitischen Zentralregierung sind und bleiben die Vereinigten Staaten. So hat Präsident Obama – nach einer förmlichen Anfrage seitens der Regierung in Sanaa – eine Order ausgestellt, nach der die jemenitische Armee mit Waffen beliefert werden soll, Geheimdienstinformationen erhält und andere logistische Unterstützung bekommt. [4] Die Houthi-Rebellen behaupten jedoch, dass das US-Engagement weiter geht: So sollen amerikanische Luftschläge bis zu 200 jemenitische Zivilisten getötet haben. [5] [6] Wie sich die Situation weiter entwickelt ist unklar – weitere Eskalationen sind nicht ausgeschlossen.

[1] http://article.wn.com/view/2009/12/08/US_Senate_passes_resolution_over_Yemen_crisis/

[2] http://beta.meedan.net/index.php?page=events&post_id=287512

[3] Bundestagsdrucksache 16/13861 vom 31. 07. 2009

[4] http://www.nytimes.com/2009/12/19/world/middleeast/19yemen.html?_r=1

[5] http://www.presstv.com/detail.aspx?id=114056&sectionid=351020206

[6] http://www.presstv.com/detail.aspx?id=113687&sectionid=351020206

 

 

 

 

 

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